Notrufe in Rheinland-Pfalz
Pressemitteilungen und Stellungnahmen
Juli 2011„Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz macht krank!“
Frauennotrufe bieten Hilfe für Betroffene an
„Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz macht krank! Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist kein Flirt und kein harmloser Spaß!“ Das neue Faltblatt der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der autonomen Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz stellt gleich zu Beginn klar: das Thema darf nicht länger verharmlost werden, denn es hat immense Folgen für die Betroffenen. Dies sind in der Regel Frauen, wie Untersuchungen immer wieder bestätigen - und es sind nicht wenige.
„Das war nichts als ein harmloser Spaß.“ Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wird häufig in dieser Art bagatellisiert, stellen die Fachfrauen der Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz fest. „Für die Betroffenen sind solche „Annäherungen“ aber Grenzüberschreitungen, denen sie sich hilflos ausgeliefert fühlen, vor allem wenn es sich um den Chef oder einen alteingesessenen Kollegen handelt“, wissen Monika Raab und ihre Kolleginnen Anette Diehl und Regina Mayer. Sie arbeiten seit vielen Jahren in den Fachstellen gegen sexualisierte Gewalt in Ludwigshafen, Mainz und Worms und haben das Faltblatt für Betroffene entwickelt.
Eine Sonderauswertung der repräsentativen Studie des Bundesfrauenministeriums aus 2004 besagt, dass ein Viertel (24,5%) aller befragten Frauen zwischen 16 und 65 Jahren mindestens einmal im Leben von sexueller Belästigung in Arbeit, Schule und Ausbildung betroffen waren, 8% sogar häufig. Die Folgen solcher ungeahndeter Übergriffe schaden nicht nur den Betroffenen, sondern auch der Firma und einem Team. Es kommt unter anderem zu Motivationsverlust und Krankschreibung – nicht selten auch zur Kündigung.
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist immer noch ein Tabu. Scham, Unsicherheit über die Motive des Täters, Angst vor Unverständnis im Kollegenkreis oder beim Chef, Angst vor Ausbildungsplatz- oder Arbeitsplatzverlust sind einige der Gründe, warum Frauen, die sexuell belästigt werden, es vorziehen zu schweigen.
„Wir möchten den Weg zu unserem Beratungsangebot ebnen und vor allem betroffene Frauen und Mädchen, aber auch Angehörige sowie Kolleginnen und Kollegen stärken. Frühes Handeln kann viel Leid für alle ersparen“, betont Regina Mayer. „Aber es ist auch sinnvoll, vergangene sexuelle Belästigung anzusprechen“, weiß Anette Diehl. „Wer wegen sexueller Belästigung einen Arbeitsplatz gekündigt hat, kann einen Neubeginn besser starten, wenn die „Altlasten“ aufgearbeitet sind.“
Bereits 2009 hatte die LAG mit ver.di in einem gemeinsamen Projekt eine Mustervereinbarung für Betriebe und Dienststellen entwickelt mit Handlungshilfen für Betroffene, Arbeitgeber und betrieblicher Interessenvertretung. Da den Betriebs- und Personalräten eine Schlüsselrolle zukommt, das Tabuthema sexuelle Belästigung anzugehen, richtete sich dieses Hilfsangebot vor allem an sie.
Die neuen Faltblätter der LAG der Frauennotrufe sollen nun Betroffene dazu ermutigen, sich zusätzliche, außerbetriebliche Unterstützung bei den Fachstellen gegen sexualisierte Gewalt zu holen. Auf Wunsch kann das auch erst mal eine anonyme Beratung sein.
Finanziert wurde das Faltblatt mit dem Titel „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz macht krank!“ von den Landeskrankenkassen in Rheinland-Pfalz, Knappschaft, DAK, BEK/GEK, AOK, BKK Landesverband und Techniker Krankenkasse (TK). Es kann über die zwölf Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz bezogen oder hier heruntergeladen werden: „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz macht krank!“ (PDF, 285 KB).
verantwortlich: Anette Diehl, Juli 2011
