Ruanda
Presseartikel
Januar 2009Frauensolidarität mit Ruanda – der Blick über den Tellerrand
Notrufmitarbeiterinnen nutzen private Reise zum Austausch über das Thema Gewalt an Frauen
Zum zweiten Mal reisten die Notruffrauen Anette Diehl und Petra Hauschild ins rheinland-pfälzische Partnerland Ruanda. Die erste Reise in 2004 war eine Frauenbildungsreise im Rahmen der Bildungs-Reisen des rheinland-pfälzischen Innenministeriums mit dem Thema „Selbstbestimmtes Leben für Frauen in Ruanda und Rheinland-Pfalz“. Die zweite private Reise im Januar 2009 hatte mehr touristischen Hintergrund, wurde aber dennoch von den beiden Fachfrauen genutzt, alte Kontakte zu pflegen.

(Foto: Beatrice Mukankusi im Gespräch mit Anette Diehl und Petra Hauschild in Kigali/Ruanda)
Im Gespräch mit Beatrice Mukankusi vom Familienzentrum Mu rugo in Kigali erfuhren die beiden, dass es zwar keine Fachstelle zum Thema (sexualisierte) Gewalt in Ruanda gibt, aber dass das Thema Gewalt an Frauen viel mehr als früher in anderen Projekten – z.B. im Gesundheitsbereich oder bei der Familienberatung – zur Sprache kommt. Die Gesellschaft ist heute dort sensibilisierter, vereinzelt machen Frauen ihre Gewalterfahrung auch öffentlich.
Während Gewalt gegen Frauen früher ein Kavaliersdelikt war, wird es heute als Straftat eingestuft.
Aber: ebenso wie in Deutschland, unterliegt auch in Ruanda das Thema Sexuelle Gewalt einem strengen Tabu. Die Frauen schweigen lange und schämen sich. Sie sind oft vom Täter finanziell abhängig und fürchten, dass ihnen die Schuld übertragen wird. Viele Frauen haben auch in der Kindheit oder während des Genozids vor 14 Jahren unterschiedliche Formen von Gewalt erlebt.
„Wie auch bei unserem letzten Besuch wurde diesmal deutlich: trotz großer struktureller, kultureller und geschichtlicher Unterschiede sind die Gewalt-Probleme der Frauen in der Welt oft ähnlich, wenn es um gesellschaftliche Ursachen, Gleichberechtigung etc. geht,“ sind sich Anette Diehl und Petra Hauschild einig.
Beide halten es aber für unabdingbar, dass jedes Land seine eigenen Problemlösungsstrategien erarbeitet und keine Konzepte übergestülpt werde.
„Dennoch können wir alle voneinander lernen,“ weiß die ehemaligen Botschaftssekretärin Christine Nkulikiyinka, die als deutsche Ruandesin beide Kulturen kennt. Sie hatte als Reiseleiterin und kompetente Gesprächspartnerin zum Thema Gewalt das Gespräch organisiert und wenn nötig übersetzt.
Der Frauennotruf Mainz ist seit 30 Jahren Fach- und Beratungsstelle zum Thema Sexualisierte Gewalt und blickt bereits seit einigen Jahren über „den deutschen Tellerrand“. Neben vielen Empfängen von israelischen, bulgarischen, (süd)-amerikanischen, englischen, afrikanischen Delegationen besuchten die Mitarbeiterinnen bereits Einrichtungen in Polen, Ruanda und anderen Ländern.
Im vergangenen Jahr organisierte der Frauennotruf u.a. Veranstaltungen zu den Kriegsvergewaltigungen im Kongo, zu Genitalverstümmelung und zur Situation von Frauen in Ruanda.
verantwortlich: Anette Diehl
