Ruanda
Presseartikel
April 2011Voneinander lernen
Besuch aus Ruanda im Frauennotruf Mainz
„Es war bereits die sechste Delegation aus Ruanda, die zum Frauennotruf Mainz kam, aber es war diesmal ein ganz besonderer Besuch: Die Delegation des ruandischen Parlaments fand unter der Leitung von Rose Mukantabana statt. Die heutige Präsidentin des Abgeordnetenhauses besuchte die deutsche Fachstelle zum Thema sexualisierte Gewalt bereits im April 2001. Damals arbeitete sie noch bei Haguruka, einer ruandischen Nichtregierungsorganisation für Frauen- und Kinderrechte.

Im Bild (von links): Hubert Beeres, Landtag RLP; Jean Baptiste Bizimana, Senatmitglied; Botschafterin Christine Nkulikiyinka; Rose Mukantabana, Präsidentin des ruandischen Abgeordnetenhauses; Anette Diehl, Frauennotruf Mainz; Dr. Dagmar Heine-Wiedenmann, MASGFF mit Praktikantin Frau Nicodemus; Constance Mukayuhi Rwaka, Vorsitzende des Ausschusses Finanzen mit Dolmetscherin.
Dort in Ruanda besuchten sie auch 2004 drei Notrufmitarbeiterinnen, darunter Anette Diehl, die jetzt die Delegation im Frauennotruf empfing. Diese freute sich außerdem, dass die Botschafterin Christine Nkulikiyinka den Besuch begleitete – die beiden reisten 2009 mit einer weiteren Notrufmitarbeiterin gemeinsam durch Ruanda.
„Wie in allen vorhergehenden länderübergreifenden Gesprächen wurde auch diesmal deutlich, dass wir - trotz großer kultureller und struktureller Unterschiede – viel voneinander lernen können,“ so Anette Diehl vom Frauennotruf. Man blicke fast neidisch auf die Frauenquoten in Ruanda, die eine Verantwortungsübernahme von Frauen in allen Lebensbereichen verdeutliche. Dafür lobte Rose Mukantabana die Unterstützungseinrichtungen in Deutschland, die viel Erfahrung mit Beratungsangeboten für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen hätten. Gemeinsam ist den beiden Fachfrauen die Sichtweise, dass gesellschaftliche Veränderungen unabdingbar sind und die Rollen von Frauen und Männern in der Gesellschaft in den Blick genommen werden müssen.
Auch für Dr. Dagmar Heine-Wiedenmann, vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen bot der Austausch interessante Aspekte: Sie konnte das Rheinlandpfälzische Interventionsprojekt (RIGG) vorstellen: Dieses hat die Aufgabe ein umfassendes Präventions- und Interventionskonzept gegen Gewalt an Frauen zu entwickeln und umzusetzen. Dabei werden alle in Rheinland-Pfalz gegen Gewalt tätigen staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen eingebunden.
Mit Blick auf das letzte Zusammentreffen von vor zehn Jahren sind sich alle einig: „Die ersten Schritte zur Verbesserung des Schutzes von betroffenen Frauen sind gemacht. Die Bekämpfung männlicher Gewalt gegen Frauen findet da ihren Anfang, wo gemeinsam und mit Erkenntnisinteresse nach Ursachen geforscht wird, um diese zu beseitigen.
Eine Korb gefüllt mit dem „Geist der Solidarität“, handgearbeitet von ruandischen Frauen steht nun zum Andenken auf der Fensterbank des Frauennotrufs.
verantwortlich: Anette Diehl, April 2011
