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Logo des Frauennotrufes: Ein Frauenzeichen, in dessen eine stilisierte Hand einen Telefonhörer hält.Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen und Mädchen in Mainz e.V.
Fachstelle zum Thema sexualisierte Gewalt
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Zu sehen ist eine afrikanische Frau, die einen Korb mit Früchten auf dem Kopf trägt. Foto: Karin Drach

Ruanda

Presseartikel

Dezember 2004: Notrufmitarbeiterinnen sind zurück aus Ruanda

Frauensolidarität mit Ruanda – weiter auf gemeinsamen Wegen

Das hatten sich die Mitarbeiterinnen von Notruf nicht träumen lassen: Noch 2001 in der Vorbereitungsphase auf den Besuch der ersten Ruanda-Delegation war nicht ganz klar, wie die Fachstelle zu Sexualisierter Gewalt mit den knappen Kapazitäten Unterstützung für ruandesische Frauen geben sollte. Nun, knapp drei Jahre später, besuchen Vertreterinnen des Notrufs Mainz die ruandesischen Kolleginnen in den Frauenhilfsorganisationen vor Ort.

Drei Notruf-Mitarbeiterinnen und zwei Kolleginnen des Frauenzentrums unternahmen Anfang Dezember gemeinsam mit einer Mitarbeiterin des Ministeriums für Bildung, Frauen und Jugend und einer Vertreterin des Familienzentrums Landstuhl im Rahmen der Ruanda-Reisen des rheinland-pfälzischen Innenministeriums eine Frauenbildungsreise. Vor Ort wurden sie von der in Deutschland lebenden Ruanderin Mme. Madeleine Büttner vom Verein Isange begleitet, die das Gesprochene in die Landessprache Kinyaruanda übersetzen konnte.

Ziel vor Ort war, den „Solidarisierungs“ Prozess mit ruandesische Frauen voran zu treiben. Das Hauptthema für die Fachfrauen des Notrufs hieß „Selbstbestimmtes Leben für Frauen in Ruanda und Rheinland Pfalz“. Das größte Interesse galt dem Umgang mit Sexualisierter Gewalt an Frauen, in der Gesellschaft, in den Familien und nach dem Genozid, der sich zum 10. Mal jährt.

„Der Austausch und die verschiedenen Gespräche mit den ruandesischen Frauen hat in kurzer Zeit das deutlich gemacht, was schon in deren Besuchen hierzulande zum Vorschein kam: die Gewalt-Probleme der Frauen in Ruanda - trotz großer struktureller, kultureller und geschichtlicher Unterschiede - unterscheiden sich nicht so gravierend von denen der Frauen in Deutschland. Das hatten wir uns bei diesem weit entfernten, fremden Land anders vorgestellt,“ sind sich Anette Diehl, Petra Hauschild und Tine Scheler vom Notruf einig.

Diese Gemeinsamkeiten beziehen sich zum einen auf die Situation der von Gewalt betroffenen Frauen in BRD und Ruanda. Sowohl die Folgen der Traumatisierung also auch die Tabuisierung des Themas unterscheiden sich nicht gravierend.

Zum anderen gibt es große Ähnlichkeiten in Bezug auf die gesellschaftliche Sichtweise der Ursachen zu Gewalt. Die sogenannte strukturelle Gewalt, die Frauen dadurch unterdrückt, dass sie über weniger Geld verfügen, dass sie in der Bildung und vielen anderen Bereichen benachteiligt sind, wird weder in Ruanda noch in Deutschland in der Bevölkerung in Zusammenhang mit Gewalt in der Partnerschaft und Sexualisierter Gewalt gebracht.

In diesem Punkt beobachteten die Mainzer Besucherinnen interessiert die enge Zusammenarbeit zwischen Ministerien und Nicht-Regierungsorganisationen. „Für uns war es bereichernd, Gespräche auf verschiedenen Ebenen zu führen,“ so die Notruf-Frauen. „Wir sprachen sowohl mit Frauenorganisationen wie z.B. AVEGA und HAGURUKA, die sich für die Rechte der Frauen einsetzen und Gewaltberatung anbieten, als auch mit der Frauenministerin Valerie Nyirahabineza. Mit dieser konnten die Gespräche bei einem Abendessen noch vertieft werden.

Zukunftspläne möchten die Notruf-Frauen gemeinsam mit den Vereinskolleginnen Anfang Januar schmieden. Es gibt verschiedene Vorhaben, die gesichert sind, wie der Kontakt zu den ISANGE – Frauen und der ruandischen Botschaft in Bonn. Und es gibt viele Ideen, wie die Aufnahme einer ruandischen Kollegin für ein Praktikum, den länderübergreifenden Erfahrungsaustausch zu rechtlichen Wegen und vieles mehr.

„Natürlich darf die Notruf-Arbeit vor Ort nicht darunter leiden,“ so Petra Hauschild, eine der ehrenamtlichen Mitstreiterinnen. „Die Kontakte sollen auf Basis der Graswurzelpartnerschaften stattfinden: für beide Seiten von Nutzen und regierungsunabhängig.“

Veranwortlich: Anette Diehl