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Zurückliegende Gewalterfahrungen
Ein Leben lang geschwiegen
Bis in die 80er Jahre hinein war sexuelle Gewalt ein Tabu. Es gab keine Beratungsstellen und in der Öffentlichkeit hat niemand darüber gesprochen.
Gleichberechtigung und Frauenrechte – was uns heute eher selbstverständlich erscheint, hat sich erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts verändert. Väter und später dann vor allem die Ehemänner konnten bis dahin über das Leben und den Körper der Frau bestimmen. All das macht es auch schwer, sexuelle Übergriffe als sexuelle Gewalt einzuordnen.
Die Formen der Gewalt waren und sind unterschiedlich, sie reichen von Bedrängen und verbaler Belästigung bis hin zu sexuellem Missbrauch in der Kindheit und Vergewaltigung. Die Täter stammen dabei in den meisten Fällen aus dem Umfeld der Frauen, es sind Väter, Brüder, Ehemänner, Bekannte.
Durch sexuelle Gewalt wird den Betroffenen die Kontrolle über ihren Körper und das Recht auf Selbstbestimmung genommen, sie fühlen sich hilflos und ausgeliefert, Scham und Angst, bisweilen Todesangst sind die vorherrschenden Gefühle, später auch noch Schuldgefühle.
Das gesellschaftliche Klima und die Erziehung haben es nicht zugelassen, dass betroffene Frauen und Mädchen über das Erlebte sprechen konnten, Trost, Sicherheit und Verständnis bekamen.
Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, haben geschwiegen, sie mussten verdrängen und versuchen, ihr alltägliches Leben weiterzuleben. Die Gefühle durch das Erlebte – schmutzig zu sein, sich zu schämen, es vielleicht verdient oder selbst verschuldet zu haben, die erlebte Todesangst und die Abscheu vor Sexualität - wurden tief im Inneren vergraben.
