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Inquisitoren des guten Willens
Leserinnenbrief zum Artikel "Inquisitoren des guten Willens" vom 12.1.2007 in der Wochenzeitung "Die Zeit"
Der Artikel von Frau Rückert ist ein Schlag ins Gesicht alle, die sich seriös mit dem Thema sexueller Missbrauch beschäftigen.
Ein Fehlurteil ist ergangen. Bedauerlich, aber nichts Ungewöhnliches. Aber im Bereich des voyeuristisch besetzten Themas Sexueller Missbrauch ist dies ein "Aufmacher". Die Zahl der sexuell missbrauchten Mädchen in Deutschalnd liegt bei mehreren Tausend pro Jahr.
Wieviele Fälle kommen zur Anklage und in wievielen Fällen mag es wohl ein Fehlurteil zum Vorteil für den Täter gegeben haben? Keine Informationen darüber in dem Artikel, andererseits auch keine Informationen, ob es noch mehr als den beschriebenen Fall gibt.
Der Artikel enthält außer Suggestionen nicht viele Informationen. Es wird suggeriert, dass allen Beratungsstellen zu diesem Thema nicht zu trauen ist (mit diesen abenteuerlichen Namen), dass die meisten Psychologinnen mit fragwürdigen Methoden arbeiten und Fortbildungen zum Thema von selbsternannten Aufdeckerinnen geleitet werden, die keinerlei Kompetenz außer Fanatismus haben und nun eine Welle von unschuldigen Opfern im Gefängnis sitzt. Wo sind die Fakten?
Die Autorin zeichnet dieses Bild aufgrund eines Einzelnen von ihr entdeckten Falles. Dabei können die Kinder unserer heutigen Gesellschaft sehr froh sein, dass es Fachstellen zu diesem Thema gibt, an die sie sich wenden können und die ihnen weiter helfen. Sie müssen nicht mehr, wie ihre Mütter und alle vorigen Generationen "mit ihrer Schande leben", sich schämen und das Thema totschweigen. Die ganze polemische Art und die Sprache von den "verbitterten Mitvierzigerinnen" bis hin zu den angeblichen "wirklichen Opfern des Missbrauchs" legt die Vermutung nahe, dass die Autorin ein persönliches Problem mit diesem Thema hat. Und die Wirkung eines solchen Artikels in der Zeit ist für die öffentliche Wahrnehmung verheerend, weil damit alle Verharmlosern, Abwieglern und Wegsehern, die imemr noch in der Mehrheit sind, bestätigt werden, dass dieses Thema nur heiße Luft ist, die von männerhassenden Feministinnen aufgebauscht wird.
Ihr Buch wird sicher die richtige Klientel an Käufern finden. Konkurrenz für Eva Herrmann.
Veranwortlich: Heike Simon, Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen und Mädchen in Mainz e.V.
