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Zu sehen ist ein Plakat mit der Aufschrift "Es ist nicht mehr mein Körper, sondern seiner". Plakat: Sabine Neumann und Falko Ulmer

Aktuell

Pressemitteilungen

November 2008: Offener Brief als Reaktion auf die Mailumfrage vom 4.11.2008 „Mädchen für TV-Produktion auf ProSieben gesucht“

CastingPartner sucht im Auftrag der Good Times Fernsehproduktions GmbH aus Köln „schwierige Mädchen“. Die Good Times produziert im Auftrag von ProSieben den "Club der bösen Mädchen“. (...) Bevorzugt gesucht wird ein blondes oder rothaariges, gut aussehendes Mädchen mit Drogen-, Alkohol- und oder Aggressionsproblemen oder obdachlos oder Punkerin mit vielen Anzeigen. Jedes Mädchen bekommt 300 Euro Gage..."

Sehr geehrte Damen und Herren,

bereits Anfang November hatten wir auf die Mailanfrage Ihrer Castingfirma mit einer kurzen Stellungnahme per Mail reagiert. Mit diesem Schreiben möchten wir gerne noch einmal beim Sender selbst „nachhaken“.

In Ihrer Sendung "Club der bösen Mädchen“ zeigen Sie aggressive, gewalttätige Mädchen, die nach dem Motto „Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen überall hin“ ihre Umwelt und Familie drangsalieren. Was dabei völlig außer Acht gelassen wird, ist die Tatsache, dass viele der von Ihnen so „böse“ dargestellten Mädchen aus einer großen Not heraus dieses Leben führen. Nicht selten haben sie Gewalt am eigenen Leib erfahren oder sie haben Gewalthandlungen zwischen ihren Eltern miterleben müssen. So hat z.B. eine Befragung von Frauen aus gewaltbelastenden Beziehungen ergeben, dass 57% der Kinder die Gewalthandlung gehört und 50% sie sogar gesehen haben (Schröttle/Müller 2004).

Als Fachstellen zum Thema Sexualisierte Gewalt kennen wir die schwierige Lebenssituation vieler Mädchen und junger Frauen, die schon früh Opfer sexualisierter Gewalt wurden. Die Probleme der Mädchen, die Sie in Ihrer Sendung darstellen („Drogen-, Alkohol- und oder Aggressionsproblemen oder obdachlos oder Punkerin mit vielen Anzeigen“) sind in vielen Fällen die einzigen Überlebensmechanismen, auf die diese zurückgreifen können, weil ihnen allzu oft andere Wege und Hilfestellungen verweigert werden bzw. zu spät greifen. Problematisch finden wir auch, dass die gesuchten Mädchen zum einen zwar möglichst „kaputt“ sein sollen, daneben aber auch noch möglichst gut aussehen und einem Schönheitsideal entsprechen sollen.

Mit der Rundmail kam auch die Information, dass die erste Staffel der Sendung sehr gute Resonanz hatte. Ihr Sender hat somit eine gute Möglichkeit, mit seinem Profil junge Menschen zu erreichen.

Das wäre eine große Chance, Hintergründe und Ursachen von bestimmten Verhaltensweisen jugendgerecht – und zwar mädchen- und jungengerecht – zu beleuchten und (Selbst-)Verständnis der Betroffenen und ihres Umfelds zu erwirken.

Wir wünschen uns, Sie als Verantwortliche würden sich die Zeit nehmen, sich in diesem Themenbereich kundig zu machen und Mädchen (und eventuell auch Jungen) eine Sendung präsentieren, die sie stark zeigt, ohne andere schwächen zu müssen. Die eine Lebensperspektive aufzeigt ohne Gewalt und die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben.

Anette Diehl (für die Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz)