01. Mai 2025
Pressemitteilung
LAG

Pressemitteilung: Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz und der DGB ziehen Bilanz



Pressemitteilung zum 1. Mai – Tag der Arbeit It works! Wir unternehmen was. Gegen sexualisierte Belästigung in der Arbeitswelt. Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz und der DGB ziehen Bilanz: Erfolgreiche Strategien gegen Sexuelle Belästigung, Diskriminierung

Pressemitteilung

Pressemitteilung zum 1. Mai – Tag der Arbeit

It works! Wir unternehmen was. Gegen sexualisierte Belästigung in der Arbeitswelt.

Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz und der DGB ziehen Bilanz: Erfolgreiche Strategien gegen Sexuelle Belästigung, Diskriminierung und Gewalt in der Arbeits- und Ausbildungswelt sowie an Hochschulen - Einsatz für Respekt und Grenzachtung in Organisationen und Einrichtungen

Die Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz und der DGB nutzen den Feiertag 1. Mai (Tag der Arbeit), um den Fokus auf das Thema Sexuelle Belästigung, Diskriminierung und Gewalt in der Arbeits- und Ausbildungswelt sowie an Hochschulen zu lenken und nehmen hierbei insbesondere die Situation der Auszubildenden (AzuBis) in den Blick.

Die Fachfrauen wissen: „Auszubildende, Praktikant*innen sowie FSJler*innen bedürfen einem besonderen Schutz im Unternehmen. Das Abhängigkeitsverhältnis, ein zumeist junges Alter oder die Unsicherheit über bestehende Beschwerdestrukturen sind mitunter Faktoren weshalb die benannten Personengruppen besonders häufig mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz konfrontiert sind.“

Anette Diehl vom Frauennotruf Mainz zum Hintergrund: Die Fachstelle zum Thema Sexualisierte Gewalt arbeitet bereits seit Beginn der 2000er Jahre zum vermehrt zum Thema und 2019 bis 2021 wurde Rheinland-Pfalz schließlich eine von zwei bundesweiten Modellregionen im Projekt "make it work! - Für mehr Respekt am Arbeitsplatz". Seit 2021 verstetigte die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Frauennotrufe Rheinland-Pfalz diese Arbeit unter neuem Slogan: „It works! Wir unternehmen was. Gegen sexualisierte Belästigung in der Arbeitswelt".

Mittlerweile melden sich beim Frauennotruf Mainz zwischen 70-80 Hilfesuchende (Betroffene sowie Fachpersonen) pro Jahr explizit zum Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, fast 20 Fort- und Weiterbildungen zum Thema fanden in Betrieben, Organisationen, Verwaltungen oder Hochschule statt.

Ziele des Projekts „it works!“ sind die Stärkung der Rechte von Betroffenen – auch durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit - der Aufbau von Netzwerken und Schulungen für Fachpersonen zur Sensibilisierung von Unternehmensvertreter*innen und Führungskräften, damit diese wirksame Präventionsmaßnahmen in ihren Unternehmen installieren können. Dazu haben die Expertinnen mittlerweile einige gute Praxisbeispiele gesammelt, weiterentwickelt und planen, diese auf einem Fachtag 2026 vorzustellen. „Nur geschulte Teams zeigen eine Kultur des respektvollen, grenzachtenden Miteinanders. Dort, wo diese Maßnahmen greifen, kommt es tatsächlich zu weniger Vorfällen.“

Maria Leurs vom DGB ergänzt: Der DGB hat einen Leitfaden zur Verhinderung von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz veröffentlicht. Dieser zeigt mit vielen Good Practice-Beispielen und einer Muster-Betriebsvereinbarung, wie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz verhindert und ein diskriminierungsfreies Betriebsklima geschaffen werden kann.

Der Leitfaden kann hier kostenlos runtergeladen werden: DGB-Leitfaden-gegen-sexuelle-Belaestigung-am-Arbeitsplatz (2).pdf

Alle Expertinnen sind sich einig: „Die wirkungsvollste Prävention ist eine klare Haltung der Unternehmensleitung. Ein respektvolles, diskriminierungsfreies Klima herzustellen kann nur gelingen, wenn dies von oben angegangen wird und alle sich daran beteiligen. Dafür muss viel Sensibilisierungsarbeit im in Betrieb geleistet werden.“

Die schwierige Situation in der von sexistischer Diskriminierung betroffene Personen stehen, ist Ausgangspunkt für diese Überlegungen: „Natürlich können Betroffene auch Verantwortung übernehmen, für den Schutz aller Mitarbeitenden ist jedoch die Unternehmensleitung verantwortlich,“ so die Fachfrauen. So schreibe es auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) seit 2006 vor. „Das ist jedoch nach wie vor ein zahnloser Tiger – eine Reform ist dringend notwendig.“

Politik in der Pflicht

Diesen Appell sandten die Sprecherinnen auch an politisch Verantwortliche: Die bestehenden Netzwerke müssten ausgebaut und genutzt werde, um eine größere politische Strahlkraft im Kampf gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu erreichen. „Nur mit politischem Willen lassen sich langfristig Rahmenbedingungen schaffen, die wirklich Veränderung ermöglichen“, so die Mitarbeiterinnen vom Frauennotruf Mainz.

Bisherige Erfolge im Überblick:

„Make it work!“: Fachwissen wurde gebündelt, Schulungen und Infoveranstaltungen für Multiplikator*innen wurden entwickelt. Die Nachfrage steigt im ganzen Land.

„Political work!“: Politisch Verantwortliche sowie Schlüsselpersonen wurden aktiviert, Netzwerke genutzt.

„Work on!“: Gleichstellungsbeauftragte und Gewerkschaften in RLP konnten für das Thema und ihre Verantwortung sensibilisiert werden. In vielen Betrieben und Verwaltungen wurden Maßnahmen implementiert.

Das Thema auf Bundesebene

Auch der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff), der rund 250 Fachstellen unter seinem Dach vereint, arbeitet seit vielen Jahren intensiv an dem Thema. 2017 veröffentlichte er das „Handbuch Fachwissen kompakt – Sexuelle Diskriminierung, Belästigung und Gewalt in der Arbeits- und Ausbildungswelt: Recht und Realität“ und informiert in regelmäßig erscheinenden Newsletter zur Arbeit.

Ein Zitat der Internationalen Arbeitskonferenz von 2011 bringt die Herausforderungen auf den Punkt:

„Die Erfahrungen in vielen Ländern haben gezeigt, dass wirksame Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz eine Verbindung von gesetzlichen Rahmenbedingungen, stärkerer Durchsetzung, finanziell angemessen ausgestatteten Institutionen und größerem Bewusstsein erfordern.“  

Kontakt und Verantwortliche:

Anette Diehl, Emma Leonhardt und Sabine Wollstädter, Frauen*notruf Mainz e.V.;
Alexander Grasshoff, Pressesprecher DGB-Rheinland-Pfalz / Saarland

Alle aktuellen Meldungen